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Was ist systemisches Coaching?

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Systemisches Coaching ist heutzutage in aller Munde. Es scheint sich um einen Trend zu handeln. Um was es sich dabei jedoch genau handelt bleibt meist unklar. Was bedeutet also systemisches Coaching genau?

Nehmen wir ein Beispiel. Ein Kind wird wird wegen Verhaltensauffälligkeiten in eine Therapie geschickt. Eine klassische Therapie würde versuchen das Kind zu heilen und neues passenderes Verhalten zu fördern. In dieser Sichtweise hat das Kind ein Problem und daher ist es ein Problem für seine Eltern und das Umfeld. Die systemische Sichtweise ist etwas komplexer. Sie erkennt, daß das Kind in einem System eingebunden ist. Es ist in sein Familiensystem eingebunden, dem es nicht entfliehen kann.

Es wird nun durch ein coaching festgestellt, daß das Verhalten des Kindes lediglich eine systemisch bedingte Reaktion auf die dysfunktionale Ehe seiner Eltern ist. Das bedeutet, das Kind drückt die Emotionen und den Konflikt aus, den die Eltern verdrängen. Das bedeutet die Lösungsebene für das Verhalten des Kindes liegt nicht beim Kind selbst, sondern bei den Eltern. Daher werden die Eltern im systemischen Ansatz mit in die Therapie einbezogen. Das heißt aber auch, daß ein nicht systemischer Lösungsansatz das Problem “mit dem Kind” nicht lösen kann und wird. Erst der erweiterte Blick auf die Eltern und das Familiensystem läßt e seine nachhaltige Lösung zu.

Systeme in diesem Sinne sind aber nicht nur Familien, sondern auch Unternehmen. Das bedeutet, wenn mit einem Mitarbeiter oder einem Team Probleme auftauchen, diese möglicherweise systemischer Natur sind.

Konkret: Der “Patient” ist in diesem Fall eine Position im Unternehmen. Die Position eines Marketingleiters wurde in den letzten zwei Jahren fünfmal neu besetzt. Jeder neue Marketingleiter verstrickte sich schnell in Konflikte mit seinem Team, und kündigte noch während der Probezeit. Es entstehen Kosten, viel Unruhe und Arbeit bleibt unerledigt. Für den Direktor Marketing entsteht der Eindruck, daß keine zuverlässigen und kompetenten Marketingleiter auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Gleichzeitig erscheint es seltsam, daß alle Marketingleiter in so kurzer Zeit die Position wieder verließen.

Die Lösung ist auch hier nur mit Blick auf das systemische Umfeld zu erkennen. Es stellt sich im coaching heraus, daß der langjährige ursprüngliche Leiter Marketing von der Unternehmensführung mit viel Druck dazu bewegt wurde zu kündigen. Hinter vorgehaltener Hand war klar, daß seine gewerkschaftlichen Aktivitäten nicht erwünscht waren. Seine Mitarbeiter drücken diese Tatsache unbewußt durch passiven Boykott und Feindseligkeiten gegenüber den neuen Marketingleitern aus.

>Erst durch die erweiterte Betrachtungsweise können Lösungen für ein Problem gefunden werden, dessen Ursache vorher nicht klar oder an völlig anderer Stelle vermutet wurden.

Im Allgemeinen zeichnen sich systemische Probleme oft dadurch aus, daß das Problem nicht direkt benennbar ist. Es scheint diffuse und nicht ganz greifbar zu sein. Die regulären Maßnahmen zur Problembewältigung, wie oben die Neueinstellung eines Marketingleiters, funktionieren nicht oder nur sehr unzureichend.

In diesem Sinne ist ein familiäres oder unternehmerisches System mit dem bekannten System der kommunizierenden Röhren vergleichbar. Stellen Sie sich dazu ein U-förmiges Glasrohr aus dem Chemieunterrricht vor. Befüllt man es mit einer Flüssigkeit, steht diese an beiden Enden gleich hoch an. Wird nun der Luftdruck an einem Ende erhöht, sinkt der Pegel an diesem Ende ab und steigt gleichzeitig in der anderen Rohrhälfte an.

In der Realität sind menschliche Systeme noch um ein vielfaches komplexer, wobei jede Person eine Röhre darstellt, die durch ihre Präsenz und ihr Verhalten eine Auswirkung auf das System hat.

Durch die systemische Betrachtungsweise wird auch offenbar, dass das klassiche Bild von Ursache und Wirkung bzw. Schuld und Unschuld weit komplexer ist, als gemeinhin angenommen. Nur durch die adaequate Adressierung der Ursachenebene, lassen sich solche systmischen und multifaktoriellen Probleme lösen.