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Das Selbstbild – Coaching einer grauen Eminenz

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Wenn Menschen sich selbst verändern und entdecken möchten, beginnen sie nicht bei Null. Jeder Mensch hat schon eine Vorstellung davon, wie er gerne sein möchte, oder eine Ahnung davon, wie er sein könnte. Wir haben eine Idee von unseren Stärken und Schwächen, von unseren Eigenarten und Vorlieben. Diese verschiedenen Vorstellungen sammeln sich zu dem, was wir allgemeinhin als Selbstbild bezeichnen. Also dem, von dem wir denken, wer wir sind. Interessanterweise, ändert sich dieses Selbstbild ständig. Diese Tatsache sorgt dafür, daß viele Menschen lachen, oder gar beschämt sind, wenn sie alte Fotos von sich betrachten. Man weiß, daß man diese Person mit den komischen Hosen und den gefärbten Haaren einmal war. Gleichzeitig erscheint es aber fast so, als wenn man auf jemand anderen schaut. Der Eindruck, daß unser eigenes Slebstbild statisch sei, ist eine subjektive Täuschung. Wir vergessen das nur allzugerne.

Wenn Menschen in ein Coaching kommen, hat das immer Auswirkungen auf ihr Selbstbild.

Wer z.B emotional versteht, daß seine Konflikte auf der Arbeit aus einer tiefen Angst aus früheren Tagen herrühren, wird nach einem erfolgreichen Coaching nicht mehr derselbe sein wie vorher.

Ein Coaching ist eine Maßnahme, um sich selbst zu erkennen. Es macht möglich, das eigene Selbstbild zu korrigieren und zu erweitern. Man dringt tiefer in sich vor.

Um aber Neues in sich selbst überhaupt auffindbar und erlebbar zu machen, bedarf es nicht nur der richtigen (Coaching) Methoden. Das Selbstbild muß in gewisser Weise transparent und durchlässig für Informationen aus der Umwelt sein.

Ist jemand der Meinung, er sei ein guter Sänger, er aber schon an einfachen Liedern scheitert, kann er trotzdem von sich überzeugt sein, ein guter Sänger zu sein. Ohne die Erkenntnis, daß sein Selbstbild nur sehr sehr lose mit der Realität verknüpft ist, entsteht für ihn auch kein Bedarf seine Gesangskünste zu verbessern. Wie mit der Hartnäckigkeit solcher Selbstbilder viel Geld verdient wird, kann man in den allgegenwärtigen Casting Shows beobachten.

Wie funktionieren Selbstbilder?

Selbstbilder funktionieren wie Paradigmen in der Wissenschaft. Ein Paradigma ist eine Paket aus Werten, Glaubenssätzen und Handlungsweisen, die von einer bestimmten Gruppe oder Person vertreten werden. Der Philosoph Thomas Kuhn hat dazu 1962 das Buch Strukturen wissenschaftlicher Revolution verfaßt. Er studierte über 15 Jahre lang Wissenschaftsgeschichte und konnte belegen, daß die Ansammlung von Wissen im Wissenschaftsbetrieb nicht wie allgemeinhin angenommen funktionierte. Bis dahin ging man davon aus, daß sich Wissen durch Forschung graduell vermehrte und einfach anhäufte. Dadurch wären bessere Theorien und Modelle der Welt möglich, die letztlich zu besseren technologischen Entwicklungen führten. Entgegen seiner eigenen Erwartung konnte Kuhn vielmehr eine zyklische Entwicklung nachweisen, die wie folgt abläuft:

Das vorherrschende Paradigma beherrscht das Denken des wissenschaftlichen Betriebs. Alle Ideen, Theorien und Verhaltensweisen (Forschungen) sind daran ausgerichtet. Tauchen neue Entdeckungen auf, die mit dem vorherrschenden Paradigma nicht erklärt werden können, besteht die Tendenz die Entdeckungen oder ihre Entdecker als unseriös abzustempeln. Erst wenn sich eine kritische Masse dieser rahmensprengenden Entdeckungen aufgebaut hat, wird das vorherrschende Paradigma herausgefordert. Das führt zu einer Krise und neuen Vorschlägen, wie die neuen Beobachtungen erklärt werden können. Schließlich setzt sich eine dieser neuen Ideen durch, die dann selbst wieder das neue Paradigma der nächsten Epoche wird.

Die größten Paradigmenwechsel in der Wissenschaft waren der Wechsel vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild und der Umschwung von der Newton’schen Physik zur Quantenphysik. Das newton’sche Weltbild war deart fest verankert, daß Lord Kelvin um 1900 erklärte, daß es in der Physik nichts Neues mehr zu entdecken gäbe. Ausgeforscht. Ende. Jetzt gäbe es nur noch eine Verfeinerung und Verbesserung bestehender Modelle und Technik. Wie falsch er damit lag bewies Einstein wenig später mit seiner Relativitätstheorie. Was heute in jedem Schulbuch steht, war damals völlig undenkbar und unerhört.

Mit dem Selbstbild ist es ähnlich. Menschen führen ihr Leben und alles verläuft mehr oder weniger nach Plan. Schlieslich geschieht ein einschneidendes Erlebnis. Das kann z.B eine Scheidung, Verletzung, schwere Konflikte im Beruf oder ein finanzieller Verlust sein. Plötzlich, wird das eben noch passende Leben und Selbstbild herausgefordert. Kritische Fragen tauchen auf:

“Bin ich tatsächlich der gute Ehepartner, für den ich mich bisher hielt?”.

“Bin ich wirklich der allseits beliebte und erfolgreiche Kollege?”.

“Bin ich wirklich der geschickte Geschäftsmann?”

“Bin ich wirklich so stark, daß ich niemals Hilfe benötige?”

“Bin ich wirklich so unbezwigbar und stark, wie ich es bisher annahm?”

Nun, ist man Singstar Kandidat einer Castinshow, oder hat man generell ein sehr undurchlässiges Selbstbild, bringt einen so etwas nicht aus der Ruhe. Die anderen haben einfach meine wirklichen Qualitäten noch nicht erkannt. Sowieso, es ist die Umwelt und die Umstände, die die Schuld an allem tragen! Auf sie mit Gebrüll! Die ewigen Zweifler müssen nur zur richtigen Einsicht gezwungen werden!

Wie dem auch sei, für manche Menschen ist es ein einmaliges einschneidendes Erlebnis, das das vorherrschende Selbstbild herausfordert. Die gemütlichen Regeln von gestern gelten einfach nicht mehr und zwingen sie zum Handeln. Andere Menschen brauchen viele kleine, ähnlich verlaufendeSituationen, um diesen Effekt zu bewirken.

Fakt ist, früher oder später wird in jedem Leben das herrschende Selbstbild in Frage gestellt.

Eine Bekannte berichtete mir, daß sie immer an den gleichen Typ Mann geriet. Männer, die sich emotional nicht öffnen konnten, sie schlecht behandelten und dann fremdgingen. Ein anderer Bekannter erzählte mir, daß er sich jedes Mal in Frauen verliebte, die mit seinen Gefühlen kalt und berechnend spielten. Diesen Frauen gefiel seine Aufmerksamkeit und seine Gefälligkeiten. Deshalb machten Sie ihm Hoffnung auf eine Beziehung, zu der es nie kam. Ein Kollege bemerkte irgendwann, daß er die Angewohnheit hatte sich mit einem bestimmten Typ von Männern in sinnlose Diskussionen zu verstricken. Das uferte regelmäßig in Streits aus, die seinem Ansehen schadeten. Sie kennen sicher auch einige solcher stereotyper Verhaltensmuster bei sich selbst.

Hat der Zweifel in Bezug auf Aspekte des Selbstbildes erst einmal eingesetzt, ist er schwer wieder unter den Teppich zu kehren.

Der ideale Moment für ein Coaching is gekommen. Beflügelt wird er duch das Wissen, daß es so nicht weitergeht und dem unabdingbaren Willen zu Veränderung.

Man ist gewillt, in die dunkleren Ecken und Schattenbereiche des alten Selbstbildes vorzudringen und sie zu beleuchten. Erst im Licht der Erkenntnis und des emotionalen Verstehens, kann sich das Selbstbild verändern und erweitern. Dadurch wir neues Verhalten möglich. Innerer Friede kehrt wieder ein.

Vielleicht ahnen Sie es schon, auch dieses erweiterte Selbstbild wird nicht ewig Bestand haben. Der gesamte Zyklus startet von Neuem auf einer höheren Oktave. Genauso wie bestehende Paradigmen, räumen auch überholte Selbstbilder meist nicht freiwillig die Bühne. In der Wisseschaft sagt man deshalb, daß eine Lehrmeinung sich erst verändert, wenn die alten Professoren gestorben sind. Wie es wirklich ist, hängt glücklicherweise von der eigenen Einstellung ab.

Das Einzigste, was Menschen wirklich zurückhält, ist die Angst.

Die gute Nachricht ist, hat man einen Veränderungsprozess einige Male durchlebt, wird das Strampeln, Beißen und Treten des alten Selbstbildes weniger. Man weiß aus Erfahrung, daß das Leben danach besser weitergeht.

Genauso, wie ein neues wissenschaftliches Paradigma neue Erfindungen und Techniken ermöglichen, die im Rahmen des Alten nicht denkbar gewesen waren, genauso eröffnet ein verändertes Selbstbild neue Handlungsmuster und Wahlmöglichkeiten im Leben. In diesem Sinne ist Coaching ein psychologisches Werkzeug, um das Leben voller, ganzheitlicher, mit mehr Freude und Gelassenheit zu erleben.